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ISDN-Abschaltung 2018

Hintergrundinformationen:
Offizielle Ankündigung der Abschaltung auf der CeBit 2014 durch Bundeskanzlerin Merkel, Bitkom und der Bundesnetzagentur.
An Stelle des bisherigen Telefon-Netz (ISDN und Analog) wird das neue IP-basierende NGN-Netz treten.
(auch genannt als All-IP-Netz oder VoIP-Netz)

Hintergründe der Abschaltung:
ISDN wurde in den 80er entwickelt, um viele bestehende Netze in ein einziges Netz umzuwandeln. Daten und Sprache sollte digitalisiert werden und verschiedene Dienste auf einem Medium übertragen werden.
1993 wurde dann das nationale ISDN in Deutschland offiziell eingeführt. 1995 wurde es dann in das
EURO-ISDN geändert.

EURO-ISDN nahm daraufhin – auch unter der Förderung von ISDN durch Prämien bei Kauf von
ISDN-Equipment – rasante Fahrt auf und wurde dann 2002 jäh durch das Einführen von DSL abgebremst.
Durch den immer höheren Bedarf an mehr Bandbreite konnte das „starre“ ISDN-Netz nicht mehr mithalten.

DSL – anfänglich mit bescheidenen Bandbreiten 768kBit/s, dann mit 3000 kBit/s und später mit 6000 kBit/s unterwegs – wurde 2006 auch für andere Anbieter zugänglich und immer mehr zusätzlich zum ISDN-Anschluss hinzu gebucht.

Seit 2005 werden Versuche getätigt, die Sprache auf dem reinen IP-Anschluss zu übertragen um somit wiederum nur ein Netz pflegen zu müssen. Im Zuge der Entwicklung von DSL wurde die Weiterentwicklung von ISDN eingestellt.

Die damaligen Entwickler der Vermittlungstechnik (Siemens und Alcatel) haben auf Grund der Einstellung der Entwicklungsaufträge auch keine neuen Layouts für ihre Elektronik erstellt. Abkündigungen von elektronischen
Bauteilen (z.B. von Infineon) führten dazu, dass keine Baugruppen mehr produziert werden. Defekte Baugruppen in den Vermittlungsstellen können künftig nicht mehr getauscht oder repariert werden.
Deswegen haben die Hersteller den Support der ISDN-Technik auf 2018 kündigen müssen. Sie können die
Aufrechterhaltung der ISDN-Technik nicht mehr gewährleisten.

Seit 2011 ist es auch möglich, einen sog. entbündelten DSL-Anschluss zu erhalten (DSL ohne herkömmliche
Telefonie, Sprache über VoiP). Der Weg für ein Netz war damit offen.

Vorteile der ISDN-Technik:
Durch die nur wenig benötigte Bandbreite für Daten und Sprache (2x 64 kB + 16 kB zur Steuerung) können
weite Entfernungen ohne Regenerierung der Signale zurückgelegt werden. Dadurch war bis zum Jahr 2001
eine 100% Flächenabdeckung möglich.

Die Verfügbarkeit von ISDN ist lt. den AGB der Netzbetreiber größer als 98,5%.

Die Sprachqualität der ISDN-Übertragung ist sehr hoch. Rundfunksender setzen noch heute von
Live-Übertragungen von Konzerte und Veranstaltungen ISDN ein.

Die Angriffssicherheit von außen liegt höher als 99%, da die Technik selber nicht mit dem Internet verbunden ist.

Telefonieren ist mit entsprechenden Geräten auch bei Stromausfall möglich.

Vorteile der NGN-Technologie:
Hohe Bandbreiten zur Datenkommunikation (regional abhängig).

Geringer Platzbedarf für die Vermittlungstechnik.

Vielfältigere Anwendungsmöglichkeiten für den Nutzer (einfachere und kostengünstigere Vernetzung von
Standorten, Einbindung von Filialen und Heimarbeitsplätze, Mobiler Zugriff auf Daten, Einbindung von
Smartphone ins Unternehmen sowohl bei Daten als auch Sprache.

Energieeinsparungen beim Netzbetreiber (keine Aufrechterhaltung mehr der Notversorgung bei Stromausfall).

Nachteile der NGN-Technologie:
Geringere Netzverfügbarkeit (lt. AGB der Netzbetreiber ca. 97%).

Keine Notstromversorgung mehr für Endkunden (zwingender Einsatz einer eigenen Stromversorgung, wenn
bei Stromausfall telefoniert werden muss).

Hohe Angreifbarkeit über das Internet.

Hoher Aufwand bei der Fehleranalyse, da ohne spezielle und teure Messgeräte oder ähnliches Equipment das
DSL-Signal nicht bewertet oder gar gefunden werden kann.


Interessante Zusatzinformationen:

  • Benötigte Bandbreite für VoiP:

Für VoiP-Gespräche wird eine Bandbreite von ca. 100 bis 150 kBit/s in beide Richtungen benötigt
(Download und Upload).
Bei einem DSL-Anschluss mit ca. 3000 kBit/s stehen für den Upload lediglich 264 kBit/s zur Verfügung.
In diesen Fällen ist von einem VoiP-Anschluss dringend Abstand zu nehmen, da der 2. Gesprächskanal
schon gar nicht mehr über genügend Bandbreite verfügt und es zwangsweise zu Unterbrechungen und
Gesprächsabbrüche führt.

  • LTE:

Die Telekom bietet derzeit noch kein VoiP über LTE an, da diese die Zuverlässigkeit nicht garantieren kann.

Vodafone hat angekündigt, ab April VoiP über LTE anzubieten.

Die Telekom bietet einen Anschluss Call & Surf via Funk an.
Bei diesem Anschluss erhält der Kunde jedoch einen Telefonzugang über das Festnetz als Analog- oder
ISDN-Anschluss. Die Daten werden über Funk via LTE dem Kunden zur Verfügung gestellt.
Nachteile: dieser Anschluss ist nur Kunden zugänglich, welche in einem LTE-Bereich sind. Ein weiterer
Nachteil ist, dass die Flatrate der Daten volumenmäßig beschränkt ist.

  • Hypridanschluss:

Die Telekom bietet seit November 2014 in Ostdeutschland und seit April 2015 auch in Westdeutschland
einen neuen Tarif an: den Hybrid -Anschluss.

Beim Hybrid-Anschluss handelt es sich um eine Kombination aus DSL und LTE. Dabei wird die Telefonie
ausschließlich auf VoiP-Basis zur Verfügung gestellt.
Da die Telekom über LTE jedoch noch keinen VoiP zur Verfügung stellt, muss der Kunde zwingend über
einen VoiP-fähigen DSL-Anschluss verfügen (mind. DSL 6000).

Der Kunde hat dann die Möglichkeit, einen Vertrag bis 50.000 kBit/s abzuschließen. Die Sprache wird über
VoiP via DSL geführt. Wenn der Kunde Online geht und die Bandbreite des DSL übersteigt, wird automatisch
LTE bis zur max. Vertragsgrenze oben aufgesetzt.

Vorteile:

  • Kunden können in DSL-unterversorgten Gebieten hohe Bandbreiten erzielen.
  • Kunden mit hohen Datenansprüchen können die Bandbreite auf max. 100.000 kBit/s (2x 50.000) erhöhen.
  • Für die Datenübertragung gibt es keine Volumenbeschränkung.


Nachteile:

  • Nur für Kunden, die über min. einem DSL 6000 Anschluss verfügen.
  • Nur für Kunden, welche in einem LTE-Bereich ansässig sind.
  • Besonderer Hybrid-Router notwendig (Routerzwang, kein ISDN-Ausgang vorhanden).